Mittwoch, 18. Juli 2018

Abwechslung tut gut (2)


Unser nächstes Ziel sollte ein Kontrastprogramm zum gediegenen Rauma werden. Im Hafenhandbuch suchte ich mir deshalb einen Naturhafen namens Kaunissari aus, der nur rund 15 sm entfernt lag. Wieder kaum Wind, nur eine kurze Zeit zog Carsten das Vorsegel als Motorunterstützung hoch. Inseln und Steine säumten den Weg, den man vorsichtshalber  auf offiziellen, in der Seekarte ersichtlichen Routen abfährt, obwohl die weiten Wasserflächen dazwischen die Möglichkeit einer Abkürzung suggerieren. Nicht alle Steine sind aber sichtbar oder in der Karte vermerkt und so könnte der Versuch einer vermeintlichen Zeiteinsparung schlimme Folgen haben. Am Ziel angekommen finden wir einen Steg am bewaldeten Ufer der Insel vor, welcher mit fünf Mooringtonnen umgeben ist. An ihm sind schon zwei Motorboote befestigt und die dazugehörigen finnischen Familien nutzen die Feuerstelle am Ufer und grillen. Sofort springt ein Mann auf und hilft beim Anlegen, was mit einem  „Anleger“ in Form eines Gläschens Whisky belohnt wird und auch die Herzen des Restes der Familie aufschließt. Was für ein perfektes Stückchen Erde: der am Strand liegende Feuer- und Grillplatz (Roste liegen dabei) wird vervollständigt durch einen mit geschlagenen Holzscheiten randvollen Holzschuppen (zur freien Nutzung!), einem Kompost- Toilettenhäuschen im Wald (incl. Papier) und sichtbaren Pfaden durch den Wald in verschiedenen Richtungen. Letzteres klingt banal, wer aber mit seinem Hund auf einer bewaldeten Schäre „Gassi“ gehen will und nur undurchdringlichen Urwald vorfindet, weiß dies durchaus zu schätzen. Nebenbei bemerkt  kosten dieser gepflegte Steg und seine Anlagen uns nichts! Eine Situation, welche zu Hause, glaube ich, undenkbar wäre. Nachdem die finnischen Gäste den Ort in Richtung Sommerhaus verließen, nahmen wir den Steg für zwei Tage allein in Beschlag, nur kurzzeitig unterbrochen durch Badegäste, die nach einer Stunde wieder  fuhren. Baden, Angeln (ohne Erfolg), Inselerkundungen, Lesen oder einfach nichts tun- Urlaub pur. Den Abend dann noch mit über dem Feuer gegrillter Hähnchenbrust auf Couscous mit gemischtem Salat (nein, wir leben nicht aus der Dose!😛), einem Schluck Rotwein dazu und dem Beobachten der erstaunlichen Farbspiele der Abendsonne ausklingen lassen… manchmal möchte ich Momente konservieren!





Montag, 16. Juli 2018

Abwechslung tut gut


Die Tage scheinen geradezu zu verfliegen. Gerade erst einen Text eingestellt, aber schon sind wieder fast 4 Tage vergangen. In vielen Momenten unserer Reise erweist sich das „Unterwegs- sein“, d.h. sich auf dem Wasser vorwärts zu bewegen, als eigentlicher Reisemittelpunkt. Dies ist bei dieser Wetterlage durchaus erholsam: Sonne satt,
Meeresluft und angenehm warme Temperaturen. Aber irgendwann freue ich mich auch über etwas Abwechslung des recht gleichförmigen Ablaufes. Mit der Anfahrt auf Rauma schien dies gegeben. Der Besuch dieser Kleinstadt mit rund 40000 Einwohnern, ca. 90 km nördlich von Turku (Quelle: Marco Polo, Finnland) versprach interessant zu werden, da deren Altstadt seit 1991 „als historisches Gesamtkunstwerk“ zum Weltkulturerbe gehört. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie aus rund 600 bewohnten Holzhäusern  in verzweigten Gassen und mit einer Vielzahl kleiner Lädchen und Cafés. Bevor wir diese aber zu Gesicht bekamen, landeten wir im Gästehafen „Poroholma“. Gleich drei historische Großsegler (Dreimaster), die heute als Restaurants genutzt werden, begrüßten uns im Hafen und gaben ein imposantes Bild. Der 5- Sterne- Campingplatz vor dem Steg imponierte uns dagegen nicht so, er stand sicher nicht gerade für Ruhe und Idylle,  zumal gerade das Wochenende begann. Nach dem Bezahlen der Hafengebühr von stattlichen 30 € sollte es sofort losgehen, aber Paule hatte keinen guten Tag. Er rutschte rückwärts von der Backskiste und brach sich einen Zehennagel der Hinterhand so hoch ab, dass es blutete und er das Bein nicht mehr belasten wollte. Was tun? Die Innenstadt war rund 1,5 km entfernt- das brachte für keinen von uns etwas, wenn wir ihn zwangen mitzulaufen. Also ging es, erstmals im Urlaub, nur zu zweit los. Die ersten alten Häuser erreichten wir ungefähr 17.00 Uhr und staunten nicht schlecht, dass sich außer uns so wenige Menschen hier aufhielten. Bald war uns auch klar warum: am Samstag schlossen die Geschäfte und Lädchen schon 16.00 Uhr. Dabei waren allein die Häuserfassaden wirklich einen Bummel  wert! Man fühlte sich schlagartig in eine andere Zeit versetzt. Ein bisschen wie in der Filmstadt Babelsberg in einer Kulisse, aber schaute man dahinter, gab es immer weitere liebevoll  verzierte Hauseingänge und Giebel und farbliche Varianten der ersten Ansicht.

 Cappuccino und Kuchen in einem netten Hinterhofcafe rundeten den Ausflug ab. Na ja, eigentlich tat das dann eine ganze Weile später ein Besuch im Supermarkt. Unter Zuhilfenahme des Handys versuchte Carsten uns den direkten und schnellsten Weg dahin zu weisen. Dieser kam mir von der Wegführung etwas seltsam vor (an Hauptverkehrsstraßen läuft sich auch in Finnland blöd), als aber eine nette Frauenstimme bemerkte: „… im Kreisverkehr nehmen sie die zweite 
Ausfahrt“, gab alles einen Sinn! 😉


Freitag, 13. Juli 2018

Wir fahren nach U-U-u....?!


Wie zur Hölle merkt man sich Uusikaupunki?!
Der Hafen dieser finnischen Kleinstadt war unser nächstes Ziel in Richtung Norden. Ob am Telefon oder in Gesprächen am Steg- immer stolperten wir über das für uns ungewohnte und unaussprechliche Wort. Finnen erklärten uns dann lächelnd, wir könnten uns ja auf Uki einigen. Und dabei wird Finnisch eigentlich so gesprochen wie geschrieben. Unser Ziel im Urlaub ist es eigentlich immer, wenigstens ein paar Floskeln in der Landessprache zu beherrschen. Aber schon ein einfaches „Hyvää päivää“ (Guten Tag) will einfach nicht im Kopf bleiben. Zu unserem Glück beherrschen fast alle Finnen Englisch und somit war eine Verständigung bisher meist problemlos möglich.
Uki erreichten wir am Donnerstag ca. 15.30 Uhr nach wieder 5 Stunden motoren. Aalglatte See, Sonne satt mit angenehm warmen Temperaturen (über 22°C, schätze ich) ließen bei mir Urlaubsstimmung aufkommen, beim Segler Carsten aber eher Frust. Und es ist kein Ende der Wetterlage in Sichtweite… 
Die Stadt erwies sich als gute Möglichkeit Frischwaren  nachzukaufen, war baulich aber nicht sehr interessant. Das eine oder andere Gebäude hatte mit Sicherheit eine Geschichte zu erzählen, aber die fehlenden Sprachkenntnisse und die kurze  Zeit des Verweilens  ließen uns darüber im Unklaren. Begeisterten mich wenigstens im Hafen die nagelneuen, modern designten, fast wohnlichen Sanitäranlagen incl. Sauna bei den Frauen und die endlich mal wieder vorhandene WLAN- Verbindung, konnte Carsten ihm trotz schönem Sonnenuntergang wenig abgewinnen. Und mit dem Wissen, dass hier bis Freitagabend 25 Holzsegelboote zu einer Art Bootstyp- WM- Regatta eintreffen, fiel uns der Abschied auch nicht so schwer.




Der Wecker klingelte 6.30 Uhr und nach Paulerunde und „Klar Schiff“ sollte es ab 8.00 Uhr im benachbarten Vereinshafen eine Tankmöglichkeit geben. Ziemlich pünktlich für unsere Verhältnisse ging es ohne Frühstück los, … nur der Tankautomat hatte etwas gegen uns und verweigerte die Arbeit. Eine sehr freundliche Mitarbeiterin der Motorservicewerkstatt gleich dahinter half uns beim Überlisten (Barzahlung ;-)). Carsten sah eine Möglichkeit, dass bei dem vielen Fahren unter Motor sicher bald nötige Öl incl. Filter nachzukaufen, da die nette Frau auch noch etwas Deutsch sprach. Gesagt- getan. Als er ihr die Nummer des eingebauten Ölfilters ansagte und sie verwundert feststellte, dass dies eigentlich ein Dieselfilter sei, blieb ihm fast die Luft weg. Ein Wechsel war also dringend sofort notwendig! Auf den Schreck hin mussten wir noch nicht mal den Kaffee der Frau bezahlen.  Zeitplanung ade- Ölfilterwechsel ist angesagt…5 Minuten später tauchte er grienend wieder aus dem Motorraum auf. Er hatte zuvor die falsche Nummer abgelesen, die des Dieselfilters! Also alles wieder auf Anfang…10 Minuten später ging die Reise weiter in Richtung Rauma. Allerdings wollten wir in einem Fischereihafen Zwischenstation machen.

Donnerstag, 12. Juli 2018

Wie auf einem anderen Stern


Seit einigen Tagen habe ich keine eigene Internetverbindung, mein preiswerter  Handyvertrag  lässt dies  nicht zu und WLAN gibt es auf den kleinen  Inseln von Aland halt nicht. So kann ich manchmal, ausschließlich für den Blog, Carstens mobile Daten nutzen und fühle mich ein wenig abgeschnitten von der Welt. Doch wenn ich ehrlich bin- ich brauche diese Verbindung in Wirklichkeit eigentlich  gar nicht, denn die Inhalte der über WhatsApp verschickten Post haben ja doch meist nur Spaß- oder Unterhaltungsfunktion. Und wenn ich die lieben Urlaubsgrüße oder Fotos von Freunden ein paar Stunden (Tage 😉) später erhalte, geht die Welt auch nicht unter. Und Informationen von uns gibt es ja (in unregelmäßigen Abständen, denn dies ist im Urlaub harte Arbeit!) über den Blog …

Mittlerweile sind wir seit gestern, nach fast 6 Stunden Fahrt unter Motor, auf Jurmo gelandet. Die für die Weiterfahrt zum finnischen Festland strategisch günstig gelegene Schäre  Alands sollte laut Hafenhandbuch, der „Bibel“ fürs  Segeln, gerade mal einen Gästesteg und Sanitäranlagen haben. Als wir hier ankamen erwies sich dies allerdings als überaltert: es gibt Landstrom und eine Sauna (wie in fast allen finnischen Häfen!) und, das stand natürlich nicht drin, Natur und Einfachheit pur. Eine Dusche/ Toilette pro Geschlecht muss reichen, ein Dorfladen, der gleichzeitig Hafenmeisterei, Cafe und Treffpunkt für alle ist, ein Müllplatz für Gäste und Einheimische (da muss der Müll schon mal mit dem Quad „runtergebracht“ werden), ein Wasserspeicher  (welcher  am Dienstagabend  für zwei Stunden den Dienst einstellte und die Insel Wasser- und Kopflos machte), blühende Wegränder für Bienen und Frauen auf Booten 😊

 
, verstreute Schwedenhäuschen, ein Badeplatz mit Umkleidehütte, ein „Wanderheim“(JH), ein paar Rinder und Schafe…himmlisch. Als ob die Zeit stehengeblieben ist…Uns beiden tat es fast leid hier weg zu müssen. Da klingelte plötzlich das Telefon und Dieter, ein Freund und Stegnachbar aus unserer Heimatmarina Neuhof, war dran. Schnell wurde uns klar, dass wir  uns nur 15sm voneinander entfernt im  selben Gebiet befinden. So hatten wir  für uns eine gute Begründung einen Tag länger zu bleiben und begrüßten den Weitgereisten (Dieter  ist auf „echter“ Ostseerunde und hat nach  Polen, dem  Baltikum und Finnland schon ca. die Hälfte geschafft) einen Tag später auf einer der 6500 Inseln der Alands- besser hätten wir  es nicht planen können …

Dienstag, 10. Juli 2018

Ein bissel wie Karibik ohne Palmen


Mariehamn
Noch Freitagabend trafen wir,  in der Nachbarbox liegend, einen „alten“ Bekannten: Andreas von der „Slisand“. Eigentlich hatte ich ihn noch nie in natura gesehen, aber seine tollen Segelfilme bei YouTube haben uns bei der  Vorbereitung unseres Vorhabens immer begleitet. Und nun lag sein Boot einfach mal neben uns… Schnell gab ein Wort das andere, die Chemie stimmte und bald waren wir gemeinsam unterwegs zum Fußball- WM- Spiel Brasilien vs. Belgien, welches in 5 Minuten Entfernung zum Hafen öffentlich übertragen wurde. Tolles Spiel, stockbetrunkene Tischnachbarn, Karaoke als Pausenfüller und Bier für 8,50€- abwechslungsreicher geht’s nicht. Aber erst als Andreas gegen Mitternacht, bei sich langsam verabschiedender Sonne und einem Glas Rotwein die Gitarre rausholte und uns einen Blues nach dem anderen zu Gehör brachte, war der Tag wirklich perfekt.

Nach einem Hafentag am Samstag in Mariehamn, der geprägt war durch pfeifenden Nordwind, Bummel zum Osthafen und der dort liegenden „Pommern“ und dem vergeblichen Versuch, das öffentliche Fußball gucken zu wiederholen (scheiterte: die Schwedenfans waren zu zahlreich, wir kamen nicht rein!), einem langen Gespräch mit den finnischen Nachbarn von der Box auf der anderen Seite bei Wein (auf Englisch, über Gott und


Die "Pommern" wird restauriert
 
die Welt: puh, anstrengend!) gab uns letztendlich Andreas am Abend bei Wein (diesmal leckerem Roten ;)) den entscheidenden Tipp fürs Weiterfahren: Ankern in einer geschützten Bucht gehöre einfach zu den Schären Alands dazu. Und so ging es Sonntag gegen 14.30 Uhr los auf ein für uns neuartiges Abenteuer.

Gegen 19.00 Uhr (nur 15 sm) hatten wir die beschriebene Stelle erreicht und fanden eine malerische Kulisse vor. Hohe Felswände, Schilfgürtel und Wälder säumten das grünblaue Wasser, nur ab und zu begleitet durch die Schreie von Seevögeln. Ein bissel wie… Wir fanden eine geeignete Ankerstelle und genossen eine himmlisch ruhige, fast windstille Nacht. Das heißt, ich schlief und Carsten weniger, denn er überprüfte mindestens 2 Mal die Haltekraft des Ankers. Selbst Paule konnte dem ausschließlichen Leben auf dem Boot etwas abgewinnen. Ohne Angst ging es nämlich mit dem Schlauchboot auf Hunderunde an Land. Der Montag begann mit Frühstück gegen 10.00 Uhr, eine völlig ungewöhnliche Zeit für uns. Da aber außer baden und bissel Boot säubern nichts auf dem Plan stand, leisteten wir uns dies einfach mal. Dann entdeckte Carsten einen Riss im Ankerkasten (alt) und er wusste, dass sich sein Tagesplan ändern würde. Am Abend, nach der langen Suche eines geeigneten Zielortes und der Planung der Fahrt, wollte ich noch ein paar Aufnahmen von der KETO schießen. Carsten wollte meinen Paddelboottrip mit der Drohne vom Boot aus filmisch begleiten. Die Idee war gut, aber… als das Gerät versuchte aus Boot und Besitzer Hackschnitze zu machen, war der Spaß vorbei. Ein dicker, blauer und vor allem stark schmerzender  Zeigefinger Carstens und zwei eingebüßte Flügel bei der Drohne waren das Ergebnis- großer Mist!!! 😣 Wieder war der Tag erst gegen Mitternacht beendet, langsam wird es zur Gewohnheit …