Am 6. Mai
erreichten wir, nach Schweden, Dänemark (Bornholm) und Finnland im letzten
Jahr, den incl. Deutschland, fünften Anrainerstaat der Ostsee. Nachdem wir am
Tag zuvor im Stadthafen von Ueckermünde einen gemütlichen Nachmittag und Abend
verbrachten (Stachelbeertorte!), ging es bei gutem Vorwind unter voller
Besegelung über das Stettiner Haff. Trotz Kreuzens war die Einfahrt in den
Kanal nach Swinemünde nach drei Stunden erreicht und unter Beachtung und
Umfahrung der vielen Stellnetze und Reusen davor und gut durchnässt vom
plötzlich einsetzenden Regen, ging es noch ca. eine Stunde unter Motor und
Segel weiter. Fühlten wir uns auf den ersten Kilometern wie zu Besuch im
Nationalpark- Fischreiher sowie viele Singvögel zeigten sich und begrüßten das
Ende des Regenschauers- wurde es bald immer „städtischer“. Werftanlagen,
Fähranleger für die richtig großen Schiffe (mit der gesehenen „Peter Pan“ sind
wir selbst schon von Rostock nach Trelleborg unterwegs gewesen) und
Neubausiedlungen säumten unseren Weg. In der Marina Swinemünde war, der
Vorsaison geschuldet, noch viel Platz zum Aussuchen. Anfangs irritierte uns die
moderne Technik ein wenig, denn alle bezahlten Leistungen wurden auf einer
Chipkarte gespeichert. Mit dieser konnte man z.B. seinen verschlossenen Steg
betreten, Elektrizität oder Wasser zapfen, die Toilette betreten oder die
Dusche auslösen. Hier scheint einiges an EU-Geldern in den Landstrich und seine
Infrastruktur geflossen zu sein. Auch im nächsten Ort (Dziwnow) bestätigte sich dies. Das Zentrum der Stadt
Swinemünde erkundeten wir bei Regen, fanden keinen Segelladen, aber aßen unser
erstes Eis. Durch den Kurpark ging es dann zurück zum Boot- so hatte auch Paule
etwas von dem Ausflug. Die Fahrt nach Dziwnow war geprägt durch drehende Winde
aus westlichen Richtungen. Eigentlich also für uns ideal, geht’s doch Richtung
Osten. Aber irgendwie funktionierte diese Theorie in der Praxis überhaupt
nicht. Entweder kamen die Wellen so ungünstig, dass sie das Heck versetzten
oder der Wind drehte aus der Wellenrichtung heraus und ein Halsen war nötig, um
die Fahrtrichtung zu halten. Dabei durften wir einen Fahrstreifen zwischen einem
Schießgebiet (seewärts) und einem Naturschutzgebiet (Küstennah) nicht
verlassen. So ging es mehr schlecht als recht(„fluchend“) voran und wir waren
froh, als wir nach 4,5 Stunden die 19 Seemeilen geschafft hatten. Dass dabei
die ganze Zeit die Sonne lachte und sich die Luft fast warm anfühlte, war auch
kein wirklicher Trost. Carsten hatte gelesen, dass eine Seite des
Fischereihafens zum Anlegen genutzt werden dürfte, also probierten wir dies
aus. Ziemlich unfreundlich schickte uns der Hafenmeister weiter- die nahe
Marina sei der richtige Platz für uns. Nach fünf Segeltagen in Folge hatten wir
uns einen reinen „Urlaubstag“ redlich verdient und so bezahlten wir gleich für
zwei Tage Hafengebühr (rund 12 Euro pro Tag). Was für eine gute Entscheidung.
Dziwnow überzeugte mit menschenleeren, malerischen Sandstränden, sehr guten
Einkaufs- und Einkehrmöglichkeiten und alles bei sehr angenehmen Temperaturen
und Sonne satt. Unsere Spaziergänge am langen Strand genoss jeder auf seine
Weise: ich fotografierte und sammelte Steine, Carsten und Paule tobten über
Sand und durchs Wasser (also letzteres nur Paule ;), das Wasser ist doch noch
sehr kalt!).
Aber es muss weiter gehen.
Trotz trübgrauem Regentag, aber eben auch gutem Wind ging es heute früh mit
rasantem Am-Wind-Kurs nach Kolberg. Die 33 sm schafften wir in 6 Stunden. Mal schauen was uns hier erwartet…