Donnerstag, 12. Juli 2018

Wie auf einem anderen Stern


Seit einigen Tagen habe ich keine eigene Internetverbindung, mein preiswerter  Handyvertrag  lässt dies  nicht zu und WLAN gibt es auf den kleinen  Inseln von Aland halt nicht. So kann ich manchmal, ausschließlich für den Blog, Carstens mobile Daten nutzen und fühle mich ein wenig abgeschnitten von der Welt. Doch wenn ich ehrlich bin- ich brauche diese Verbindung in Wirklichkeit eigentlich  gar nicht, denn die Inhalte der über WhatsApp verschickten Post haben ja doch meist nur Spaß- oder Unterhaltungsfunktion. Und wenn ich die lieben Urlaubsgrüße oder Fotos von Freunden ein paar Stunden (Tage 😉) später erhalte, geht die Welt auch nicht unter. Und Informationen von uns gibt es ja (in unregelmäßigen Abständen, denn dies ist im Urlaub harte Arbeit!) über den Blog …

Mittlerweile sind wir seit gestern, nach fast 6 Stunden Fahrt unter Motor, auf Jurmo gelandet. Die für die Weiterfahrt zum finnischen Festland strategisch günstig gelegene Schäre  Alands sollte laut Hafenhandbuch, der „Bibel“ fürs  Segeln, gerade mal einen Gästesteg und Sanitäranlagen haben. Als wir hier ankamen erwies sich dies allerdings als überaltert: es gibt Landstrom und eine Sauna (wie in fast allen finnischen Häfen!) und, das stand natürlich nicht drin, Natur und Einfachheit pur. Eine Dusche/ Toilette pro Geschlecht muss reichen, ein Dorfladen, der gleichzeitig Hafenmeisterei, Cafe und Treffpunkt für alle ist, ein Müllplatz für Gäste und Einheimische (da muss der Müll schon mal mit dem Quad „runtergebracht“ werden), ein Wasserspeicher  (welcher  am Dienstagabend  für zwei Stunden den Dienst einstellte und die Insel Wasser- und Kopflos machte), blühende Wegränder für Bienen und Frauen auf Booten 😊

 
, verstreute Schwedenhäuschen, ein Badeplatz mit Umkleidehütte, ein „Wanderheim“(JH), ein paar Rinder und Schafe…himmlisch. Als ob die Zeit stehengeblieben ist…Uns beiden tat es fast leid hier weg zu müssen. Da klingelte plötzlich das Telefon und Dieter, ein Freund und Stegnachbar aus unserer Heimatmarina Neuhof, war dran. Schnell wurde uns klar, dass wir  uns nur 15sm voneinander entfernt im  selben Gebiet befinden. So hatten wir  für uns eine gute Begründung einen Tag länger zu bleiben und begrüßten den Weitgereisten (Dieter  ist auf „echter“ Ostseerunde und hat nach  Polen, dem  Baltikum und Finnland schon ca. die Hälfte geschafft) einen Tag später auf einer der 6500 Inseln der Alands- besser hätten wir  es nicht planen können …

Dienstag, 10. Juli 2018

Ein bissel wie Karibik ohne Palmen


Mariehamn
Noch Freitagabend trafen wir,  in der Nachbarbox liegend, einen „alten“ Bekannten: Andreas von der „Slisand“. Eigentlich hatte ich ihn noch nie in natura gesehen, aber seine tollen Segelfilme bei YouTube haben uns bei der  Vorbereitung unseres Vorhabens immer begleitet. Und nun lag sein Boot einfach mal neben uns… Schnell gab ein Wort das andere, die Chemie stimmte und bald waren wir gemeinsam unterwegs zum Fußball- WM- Spiel Brasilien vs. Belgien, welches in 5 Minuten Entfernung zum Hafen öffentlich übertragen wurde. Tolles Spiel, stockbetrunkene Tischnachbarn, Karaoke als Pausenfüller und Bier für 8,50€- abwechslungsreicher geht’s nicht. Aber erst als Andreas gegen Mitternacht, bei sich langsam verabschiedender Sonne und einem Glas Rotwein die Gitarre rausholte und uns einen Blues nach dem anderen zu Gehör brachte, war der Tag wirklich perfekt.

Nach einem Hafentag am Samstag in Mariehamn, der geprägt war durch pfeifenden Nordwind, Bummel zum Osthafen und der dort liegenden „Pommern“ und dem vergeblichen Versuch, das öffentliche Fußball gucken zu wiederholen (scheiterte: die Schwedenfans waren zu zahlreich, wir kamen nicht rein!), einem langen Gespräch mit den finnischen Nachbarn von der Box auf der anderen Seite bei Wein (auf Englisch, über Gott und


Die "Pommern" wird restauriert
 
die Welt: puh, anstrengend!) gab uns letztendlich Andreas am Abend bei Wein (diesmal leckerem Roten ;)) den entscheidenden Tipp fürs Weiterfahren: Ankern in einer geschützten Bucht gehöre einfach zu den Schären Alands dazu. Und so ging es Sonntag gegen 14.30 Uhr los auf ein für uns neuartiges Abenteuer.

Gegen 19.00 Uhr (nur 15 sm) hatten wir die beschriebene Stelle erreicht und fanden eine malerische Kulisse vor. Hohe Felswände, Schilfgürtel und Wälder säumten das grünblaue Wasser, nur ab und zu begleitet durch die Schreie von Seevögeln. Ein bissel wie… Wir fanden eine geeignete Ankerstelle und genossen eine himmlisch ruhige, fast windstille Nacht. Das heißt, ich schlief und Carsten weniger, denn er überprüfte mindestens 2 Mal die Haltekraft des Ankers. Selbst Paule konnte dem ausschließlichen Leben auf dem Boot etwas abgewinnen. Ohne Angst ging es nämlich mit dem Schlauchboot auf Hunderunde an Land. Der Montag begann mit Frühstück gegen 10.00 Uhr, eine völlig ungewöhnliche Zeit für uns. Da aber außer baden und bissel Boot säubern nichts auf dem Plan stand, leisteten wir uns dies einfach mal. Dann entdeckte Carsten einen Riss im Ankerkasten (alt) und er wusste, dass sich sein Tagesplan ändern würde. Am Abend, nach der langen Suche eines geeigneten Zielortes und der Planung der Fahrt, wollte ich noch ein paar Aufnahmen von der KETO schießen. Carsten wollte meinen Paddelboottrip mit der Drohne vom Boot aus filmisch begleiten. Die Idee war gut, aber… als das Gerät versuchte aus Boot und Besitzer Hackschnitze zu machen, war der Spaß vorbei. Ein dicker, blauer und vor allem stark schmerzender  Zeigefinger Carstens und zwei eingebüßte Flügel bei der Drohne waren das Ergebnis- großer Mist!!! 😣 Wieder war der Tag erst gegen Mitternacht beendet, langsam wird es zur Gewohnheit …

Samstag, 7. Juli 2018

Irgendwas mit Kiel und Handbreit ...


… hatte ich in den vergangenen Wochen wirklich oft gehört. Gestern wurde es für mich das erste Mal wirklich ernst damit.

Dummerweise war auch viel Wind aus N-NO angesagt, was für unseren Plan, gleich mit einem langen Schlag  Mariehamn, die Hauptstadt der  Alands zu erreichen (51sm), keine schlechte, aber für meinen Magen nicht gerade eine gute Nachricht war. Schon bei der Schaukelei im Hafen bemerkte ich Probleme meines Gleichgewichtsorganes und eine leichte Übelkeit. Aber nachdem  4.30 Uhr der Wecker klingelte und wir 5.20 Uhr abfahrbereit waren, war alles für kurze Zeit vergessen. Die ersten 2 Stunden motorten wir auf Grund des fehlenden Windes durch die Bucht und Schären vor Norrtälje in  Richtung offene See,  um dann, mit Vollbesegelung unter blauem Himmel, den langen Ritt über die Wellen zu wagen. Diese waren angenehm klein und so schoss unser Oldtimer KETO mit bis zu 8 Knoten über Grund dem Ziel entgegen. Der Plotter (das Navigationsgerät für die Seefahrt) zeigte beruhigende Tiefen (bis 130m – Gruß an Katrin J)an und auch Container-,Kreuzfahrschiffe und Fähren waren nur in der Ferne unterwegs. Aber der Wind nahm permanent Fahrt auf,  die Wellen wurden größer und kabbeliger und mein „Bauchgefühl“ passte sich diesen Bedingungen an. Mit bewährten kleinen Tricks (auf den Horizont schauen, ablenken mit Gesprächen oder das Steuer übernehmen) bekam ich es aber doch gut in den Griff und nach 7 Stunden waren die ersten Inselchen der Alands am Horizont zu entdecken. Hätte mich vor unserer Reise jemand nach diesem autonomen Archipel gefragt, hätte ich deren Existenz in Europa entweder geleugnet oder es in einen anderen Erdteil verlegt. So wusste ich aber nun, dass die 6500 Inseln (60 bewohnt) zu Finnland gehören, sich selbst verwalten und schwedisch sprachig sind, eine eigene Flagge und Briefmarken haben und es nur eine nennenswerte Stadt gibt: Mariehamn (rund 11000 Einwohner). Und genau dieser Ort war unser Ziel. Der Plotter erklärte uns, dass wir den dortigen Hafen in etwa 2 Stunden erreichen würden und so konnten wir die malerische Landschaft, karibisch blaues Wasser bei Sonnenschein  und grüne felsige Inseln überall wie Perlen verteilt, genießen. Carsten hatte sich auf der alleinigen Fahrt durch die Schären vor Stockholm zum Glück schon eine gewisse Ruhe und Vertrauen in die Seekarten „erarbeitet“, welche mir wirklich gut tat. Am Anfang verglich ich instinktiv jeden knapp aus dem Wasser ragenden Felsbuckel mit der Karte, immer in Erwartung eines Auffahrens auf einen dieser „Unterwasserkiesel“. Der Plotter zeigte bald nur noch eine reichliche Stunde bis zum Erreichen des Zieles an, als plötzlich vor uns ein großer Hafen mit vielen Masten auftauchte. Wir brauchten zu unserer Schande echt eine ganze Weile um zu realisieren, dass wir unser Ziel vor Augen hatten- dass eine Zeitverschiebung von 1 Stunde bedacht  werden sollte, war uns irgendwie entgangen … So schnell hatten wir lange nicht das Boot zum Anlegen klargemacht!  
 
Morgenstimmung
Schäre


WM-Public Viewing beendete den Abend

Donnerstag, 5. Juli 2018

Familienzusammenführung

Schon 4.00 Uhr klingelte gestern mein Wecker und nachdem auch Fabi, als mein Fahrer, feststellte, dass 5.50 Uhr nicht 10 Minuten vor um 5 ist 😁, ging es gemeinsam zum Flughafen. Schon bald saß ich im Flieger Richtung Köln und auf Grund der ewigen Rumsitzerei und Warterei legte sich meine Aufregung bald. Nach der Hälfte meines Lesestoffes und einem Besuch im Duty-Free- Shop (Alkohol- schließlich geht es nach Skandinavien! ;)), ging es weiter nach Stockholm. Dank eines guten Tipps von Frank (www.rom2rio.de) konnte ich im Vorfeld die Verkehrsverbindungen zwischen dort und Norrtälje, dem aktuellen Liegeplatz der KETO, planen und dies mit großer Genauigkeit, wie sich zum Glück bald herausstellte. Nach 1,5 weiteren Stunden Busfahrt, pünktlich 17.15 Uhr sahen Carsten und ich uns nach vier getrennt verlebten Wochen wieder. Das heißt eigentlich entdeckte mich Paule zuerst und erst auf seine überbordende, wilde Freude hin reagierte Carsten. Allerdings war das auch kein Wunder. Mein Bus fuhr ganze sechs Minuten zu zeitig ein! Damit rechnet der Deutsche nicht wirklich...😜
Das Ankommen auf der KETO gestaltete sich anfangs echt schwierig. Zwar hatte Carsten sie in einen hervorragenden, sauberen Zustand versetzt,aber die doch lange Zeit alleine unterwegs  hatten Neuerungen und Veränderungen in der Nutzung der Stauräume zur Folge, die mich erst einmal verzweifeln ließen. Und natürlich hatte ich längst vergessen, welche und wieviel Klamotten ich Carsten schon mitgegeben hatte und so bekam ich die neu mitgebrachte, zu viele Kleidung nirgendwo unter. Nach einer Flasche Sekt (Sponsoring von Oma/Opa) und der Grobplanung der nächsten Tage fielen wir am Abend erschöpft in die Koje. 
Der heutige Hafentag diente meiner Aklimatisierung: Stadtbummel und Einkäufe, ausgiebiges Mittagessen, Wäsche waschen und Schärenspaziergang mit Baden für Paule waren ein geruhsamer Start in die Auszeit...
Start


Eigentlich sollte er die Wäsche bewachen ...
 

Sonntag, 1. Juli 2018

Carstens Woche

Sonntag, 24.06.18: Hafentag
Montag, 25.06.18: Start 6.00 Uhr Västervik, 44sm, Ankunft 16.30 Uhr in Fyrudden
Dienstag, 26.06.18: Start 9.30 Fyrudden, 21 sm, Ankunft 14.30 in Arkösund; teurer Hafen -
                              250 SEK/ Nacht (1€ = 10,5 SEK - Schwedische Kronen) 
Mittwoch, 27.06.18: Start 6.30 Uhr Arkösund, 49 sm, Ankunft 17.30 Uhr in Nynäshamn;
                              schlimmer Tag mit u.a. versenkter Segelbrille beim Segelbergen 
Donnerstag, 28.06.18: Hafentag mit Luxus: erst 9.00 Uhr Aufstehen 
Freitag, 29.06.18: 2. Hafentag wider Willen: pfeifender Nordwind, viel zu stark um  
                              gegenan zu segeln  
Samstag, 30.06.18: Start 4.00 Uhr Nynäshamn bei ca. 20 Knoten Wind aus N, 56 sm über 
                              Ballando nach Ingmarsö, Wind noch stärker werdend bis 29 Knoten (in
                              der Plicht gemessen), Schärenhafen ohne Wasser/Dusche, nur
                             Toilette!
Sonntag, 01.07.18: Hafentag zur Regeneration
Fahren unter Gennaker (dreieckiges Vorsegel aus leichterem Segeltuch, Kunstwort aus Genua und Spinnaker)


Windmesser für die Hand

Am Steg in Ingmarsö

Der Countdown läuft

Blick vom Balkon bei Gewitter
Wieder eine Woche ohne Eintragung, aber das stressige, arbeitsreiche Schuljahresende und die Beanspruchung zu Hause hatten mich voll im Griff und ließen keinen Raum für Kreativität. Zeugnisse schreiben, Vorbereitung von Sportfest und Exkursionen, Schuljahresabschlussveranstaltungen und parallel dazu Haushalt/ Garten (bei permanenter Hitze) sowie Reisevorbereitungen ließen mich erstmals an körperliche Grenzen geraten. Und im Kopf immer der drückende Hintergedanke:"Es geht bald los, du darfst auf keiner Ebene irgendwas vergessen!". Nun liegt der letzte Arbeitstag hinter mir, von Freunden, Kollegen und einem Teil der Familie hab ich mich verabschiedet (1 Jahr Auszeit bedeutet ja nicht, dass man sich so lange nicht sieht...), Carsten erreicht mit hoher Wahrscheinlichkeit den geplanten Treffpunkt, Wohnung und Garten sind auf Vordermann gebracht- eigentlich sollte es mir blendend gehen. Im Moment herrscht aber eher eine erschöpfte Leere vor, für die Formulierungen dieses Beitrages benötige ich schon 2 Tage und selbst das Schreiben einer Geburtstagskarte schiebe ich schon ewig vor mir her. Ich brauche Urlaub!!! Mit dem Wissen, dass dieser jetzt 365 Tage andauert, sollte spätestens am Mittwoch früh beim Besteigen des Flugzeuges Richtung Stockholm alles gut sein. Die Vorfreude auf Natur und Weite des europäischen Nordens, Begegnungen mit interessanten Menschen und einzigartige Segelerlebnisse und Eindrücke werden mich erreichen. Hoffe ich jedenfalls ...😉