Mittwoch, 15. Mai 2019

Sandstrand ohne Ende (9.5.- 15.5.19)




Auch wenn der Eine oder Andere uns schon zum bisher tollen Wetter beglückwünschte, Regentage gibt es schon auch. Leider erwischte es uns gleich am Ankunftstag in Kolberg und so war der erste Eindruck der Innenstadt, na ja nennen wir es mal „trist“. Als einen Tag später die Sonne wieder lachte, sah die Stadt schon ganz anders aus. Sandstrand mit Seebrücke, Flaniermeile mit Touristenkitsch, aber auch Künstlern, Leuchtturm, moderne Kurhotelanlagen, Parks. Jetzt war es nachzuvollziehen, warum so viele Senioren die Stadt zum „Kuren“ bevölkerten. Als wir dann auch noch die Fischhändler hinter der Marina fanden und uns für wenig Geld eindeckten, gefiel es uns in Kolberg richtig gut. J

Die 32 sm nach Darlowo flogen wir bei gutem Wetter nur so dahin. Der erstmals eingesetzte Spinnaker (Leichtwindsegel für Raum- und Vorwindkurs) tat dazu sein Übriges. Bei der Hafeneinfahrt beutelte es uns bei auflandigem Wind und heftiger Welle tüchtig, da der Fluss, der an dieser Stelle in die Ostsee mündet, einen Gegenstrom von bis zu 3 kt erzeugte. Hatte man die aber hinter sich, fuhr man ganz relaxed in ruhigem Fahrwasser einen Kanal durch den Ort bis zur Marina. Hier empfing uns der Hafenmeister persönlich und nahm die Leinen entgegen. Auf dem schnell studierten Stadtplan war zu erkennen, dass z.B. ein Geldautomat auf der anderen Kanalseite zu finden ist und eine Brücke beide Kanalseiten verbindet. Das kam uns absolut spanisch vor, hatten wir doch Minuten zuvor ungehindert eben diesen durchfahren?! Ein Spaziergang brachte dann Klarheit in die Angelegenheit: Ja, es gab eine Brücke, welche sich jede volle Stunde für 15 Minuten öffnete. Wir durchquerten sie also in genau einem solchen Zeitfenster und bemerkten es vor lauter Aufregung nicht mal! Auch der Strand in Darlowo gefiel uns Dreien ausnehmend gut. Vor allem Paule hatte richtig Spaß im flachen Wasser. Für den nächsten Tag war wieder ordentlich Wind und Welle aus Westen angesagt. Da wir gehört hatten, dass im rund 18sm entfernten und eigentlich geplanten Hafen Ustka ein unangenehmer Schwell steht, wollte Carsten gleich bis nach Leba durchziehen- 52 sm, ca. 10 Stunden. An solch langen Touren haben Paule und ich meistens nicht viel Spaß, aber die Logik, sich eine durchwachte wackelige Übernachtung zu sparen, sprach für sich. So hieß es früh aufstehen, um die Brückenöffnung um 7 nicht zu verpassen. Ohne Frühstück ging es also pünktlich los und nach dem Überwinden der Zone der brechenden Meterwellen in der Ausfahrt zur offenen See (wie Rodeo reiten- ein buckelndes Auf- und Ab) ging es zügig gen Osten voran. Irgendwann kam Hunger auf und natürlich ist es meine Aufgabe, unter Deck etwas Essbares zu beschaffen. Da die KETO unangenehm rollte und mir ganz komisch wurde, mussten ein paar Möhren genügen. Trotzdem ich 5 Minuten später wieder an Deck war, hatte ich nichts von ihnen und opferte sie postwendend den Fischen. Auch der nach 2 Stunden gesetzte Gennaker brachte keine ruhigere Fahrt und so blieb es eine Unmöglichkeit unter Deck zu gehen. So bekamen wir auch nicht mit, dass Paule, bisher ruhig in der Hundekoje schlafend, ein Problem hatte. Wahrscheinlich hatte er am Tag zuvor wieder mal was Falsches am Wegesrand gefressen und bekam nun Durchfall. Nie würde er aber in seinem „Haus“ sein „Geschäft“ verrichten, da machte auch diese Notsituation keine Ausnahme. Panisch die Augen verdrehend und jammernd stand er am Niedergang. Wir holten ihn nach oben und versuchten ihn zu überzeugen, den Boden der Pflicht als Toilette zu akzeptieren- keine Chance. Er versuchte immer wieder das Boot zu verlassen und wir mussten uns zu Zweit dagegen stemmen. Das alles bei kabbeliger See und eigentlich nötiger Konzentration Carstens für das Steuern unter Segeln! Die Natur forderte dann doch explosiv ihr Recht ein, Paule ging es gleich wieder gut und wir beseitigten mit 7 Eimern Seewasser die Bescherung. Dies sollte nicht die einzige kuriose Situation der Fahrt bleiben. In der nach 10 Stunden endlich erreichten Hafeneinfahrt von Leba machten uns polnische Angler laut rufend auf eine im Hafenbecken schwimmende Angel aufmerksam. Eine Ehrenrunde später fischte ich sie mit dem Bootshaken an Bord, holte gefühlt 100m Schnur ein und versuchte dabei, die 7 Angelhaken (Paternoster) von Segeln und Kleidung fernzuhalten. Wenigstens war kein Fisch dran! Nach erfolgreicher Übergabe des Gerätes auf der Kaimauer fuhren wir in die hübsche Marina Leba ein und beendeten den Tag mit Bratkartoffeln und Flundern. Den nächsten Tag bestimmten wir als „Wandertag“, fehlte uns doch allen mittlerweile ein wenig  die Bewegung. In ca. 9 km Entfernung waren im Slowinzischen Nationalpark riesige Wanderdünen zu besichtigen und zu besteigen, also ein lohnenswertes Ziel. Durch malerische Kiefernwälder ging es hinter dem Deich gut voran, bis ein Maschendrahtzaun unseren Elan stoppte. Vergeblich suchten wir nach einem Tor. So setzten wir den Weg nach kurzer „Krabbeleinlage“ (30cm Bodenfreiheit) fort und erreichten bald die wirklich beeindruckende „Sahara Pommerns“, kämpften uns über lockeren Sand ungefähr 30m nach oben und genossen die geniale Aussicht auf Lebasee und Ostsee. Viele Fotos später ging es nach kurzer Mittagspause (lecker Piroggi) zurück zum Boot. Die Prognosen der Wetterdienste zeigten Erschreckendes: viel Wind und hohe Wellen aus Osten- eine Weiterfahrt ist so also erst einmal nicht möglich. Jetzt heißt es geduldig zu sein und auf Besserung zu hoffen- aber es gibt wahrlich schlimmere Orte für „Zwangsurlaub“…
Spinnakerfahrt


Blick von der Fußgängerbrücke Darlowo


Lebasee

Sanddünen

Donnerstag, 9. Mai 2019

Über das Stettiner Haff nach Polen (5.5.-9.5.19)




Am 6. Mai erreichten wir, nach Schweden, Dänemark (Bornholm) und Finnland im letzten Jahr, den incl. Deutschland, fünften Anrainerstaat der Ostsee. Nachdem wir am Tag zuvor im Stadthafen von Ueckermünde einen gemütlichen Nachmittag und Abend verbrachten (Stachelbeertorte!), ging es bei gutem Vorwind unter voller Besegelung über das Stettiner Haff. Trotz Kreuzens war die Einfahrt in den Kanal nach Swinemünde nach drei Stunden erreicht und unter Beachtung und Umfahrung der vielen Stellnetze und Reusen davor und gut durchnässt vom plötzlich einsetzenden Regen, ging es noch ca. eine Stunde unter Motor und Segel weiter. Fühlten wir uns auf den ersten Kilometern wie zu Besuch im Nationalpark- Fischreiher sowie viele Singvögel zeigten sich und begrüßten das Ende des Regenschauers- wurde es bald immer „städtischer“.

Werftanlagen, Fähranleger für die richtig großen Schiffe (mit der gesehenen „Peter Pan“ sind wir selbst schon von Rostock nach Trelleborg unterwegs gewesen) und Neubausiedlungen säumten unseren Weg.
In der Marina Swinemünde war, der Vorsaison geschuldet, noch viel Platz zum Aussuchen. Anfangs irritierte uns die moderne Technik ein wenig, denn alle bezahlten Leistungen wurden auf einer Chipkarte gespeichert. Mit dieser konnte man z.B. seinen verschlossenen Steg betreten, Elektrizität oder Wasser zapfen, die Toilette betreten oder die Dusche auslösen. Hier scheint einiges an EU-Geldern in den Landstrich und seine Infrastruktur geflossen zu sein. Auch im nächsten Ort (Dziwnow)  bestätigte sich dies. Das Zentrum der Stadt Swinemünde erkundeten wir bei Regen, fanden keinen Segelladen, aber aßen unser erstes Eis. Durch den Kurpark ging es dann zurück zum Boot- so hatte auch Paule etwas von dem Ausflug.
 Die Fahrt nach Dziwnow war geprägt durch drehende Winde aus westlichen Richtungen. Eigentlich also für uns ideal, geht’s doch Richtung Osten. Aber irgendwie funktionierte diese Theorie in der Praxis überhaupt nicht. Entweder kamen die Wellen so ungünstig, dass sie das Heck versetzten oder der Wind drehte aus der Wellenrichtung heraus und ein Halsen war nötig, um die Fahrtrichtung zu halten. Dabei durften wir einen Fahrstreifen zwischen einem Schießgebiet (seewärts) und einem Naturschutzgebiet (Küstennah) nicht verlassen. So ging es mehr schlecht als recht(„fluchend“) voran und wir waren froh, als wir nach 4,5 Stunden die 19 Seemeilen geschafft hatten. Dass dabei die ganze Zeit die Sonne lachte und sich die Luft fast warm anfühlte, war auch kein wirklicher Trost. Carsten hatte gelesen, dass eine Seite des Fischereihafens zum Anlegen genutzt werden dürfte, also probierten wir dies aus. Ziemlich unfreundlich schickte uns der Hafenmeister weiter- die nahe Marina sei der richtige Platz für uns. Nach fünf Segeltagen in Folge hatten wir uns einen reinen „Urlaubstag“ redlich verdient und so bezahlten wir gleich für zwei Tage Hafengebühr (rund 12 Euro pro Tag). Was für eine gute Entscheidung. Dziwnow überzeugte mit menschenleeren, malerischen Sandstränden, sehr guten Einkaufs- und Einkehrmöglichkeiten und alles bei sehr angenehmen Temperaturen und Sonne satt. Unsere Spaziergänge am langen Strand genoss jeder auf seine Weise: ich fotografierte und sammelte Steine, Carsten und Paule tobten über Sand und durchs Wasser (also letzteres nur Paule ;), das Wasser ist doch noch sehr kalt!). 
 

Aber es muss weiter gehen. Trotz trübgrauem Regentag, aber eben auch gutem Wind ging es heute früh mit rasantem Am-Wind-Kurs nach Kolberg. Die 33 sm schafften wir in 6 Stunden. Mal schauen was uns hier erwartet…   









Sonntag, 5. Mai 2019

Auf ins Unbekannte…


Nach zwei stürmischen, nasskalten und arbeitsintensiven Tagen in der Marina sollte es Freitag (3. Mai) losgehen. Wir entschieden uns Donnerstagabend für einen Umweg über Peenestrom und Stettiner Haff in Richtung Swinemünde, da ein im Reiseverlauf folgendes Schießgebiet an der polnischen Küste erst wieder Sonntag frei zu durchfahren ist und wir somit 9 Tage Zeit für den Weg dorthin hatten. Mit Wind aus der richtigen Richtung (W) und mit bis zu 24 Knoten Wind flogen wir nur mit dem Vorsegel durch den Strelasund. Das rund 28 sm entfernte Kröslin (im nördlichen Fahrwasser zwischen der Insel Usedom und dem Festland, gegenüber Peenemünde) war als erster Zielort ausgemacht. Da auch die Wellen uns von achtern unterstützten, surften wir mit bis zu 11 Knoten Geschwindigkeit durchs Wasser über den Greifswalder Bodden. In Kröslin erwartete uns eine moderne 5-Sterne-Marina, die wir allerdings kaum genießen konnten. Frischluft und Anspannung forderten ihren Tribut und so fielen wir nach Paulerunde und Abendbrot todmüde in die Kojen. Da auch Dieter (Segelfreund aus der Marina) in diesem Revier unterwegs war, hatten wir uns für den Sonnabend in Karnin (nächster Hafen) f ür ein letztes Treffen verabredet. Zwei Brücken mussten wir bis dorthin durchfahren und uns dementsprechend an den Brückenöffnungszeiten orientieren. So blieb Zeit für eine schöne Morgenrunde auf dem Deich hinter der Marina, bevor wir, etwa 30 Minuten verspätet durch eine „Quatscheinlage“ Carstens, 11.30 Uhr starteten. (Kommentar C. : „Aber es waren doch so nette Leute…!“) Bis zur Wolgaster Brücke hatten wir also nur rund eine Stunde Zeit und mussten uns sputen. Aber auch jetzt meinte es der Wind gut mit uns. Vorbei an der Peene-Werft Wolgast (mit auslieferbereiten Militärbooten für Saudi Arabien) lagen nach der Brücke weitere vier Stunden Fahrt durch flaches Fahrwasser unter dramatischem Himmel incl. Kälte und Regenschauer vor uns. Gerade hatte man sich so ein wenig mit diesen Bedingungen arrangiert, als in der „Moderortrinne“ ein leichtes Rucken durch die KETO lief und der Flachwasseralarm wie verrückt lospiepte und nur 1,30m anzeigte. Wir steckten fest! Ich (gerade Steuerfrau) verstand die Welt nicht mehr und war vollkommen überfordert. Zehn Meter hinter mir hatte ich eine grüne Fahrwassertonne auf der richtigen Seite passiert und visierte das nächste Tonnenpärchen in der Ferne an-  was also verdammt  war das Problem?! Carsten reagierte zum Glück gewohnt schnell und richtig. Er setzte die KETO langsam zurück und drehte sie irgendwie seitlich aus dem Sand oder Moder oder was auch immer heraus und setzte, schimpfend und den Fehler analysierend, die Fahrt fort. Wahrscheinlich hatte ich das „ Rechts“- fahren zu wörtlich genommen und bin in den Rand der, ja auch nur ca. 2m tiefen, Fahrrinne gerauscht. Ab jetzt fahre ich mittig- komme wer da will! Auch die Zecheriner Brücke erreichten wir trotz dieses Vorfalls pünktlich und eine halbe Stunde später legten wir ziemlich durchfroren im kleinen Yachthafen Karnin an. Auch dieses Manöver funktionierte erst beim dritten Mal, langsam hatten wir beide genug von diesem Tag.  Zum Glück entschädigte uns der gemütliche Abend mit Dieter, bei Wein,  Erfahrungsaustausch und Geschichten, für den anstrengenden Tag. Todmüde… naja, das hatten wir schon! ;)
Auf dem Deich in Kröslin

Zecheriner Brücke mit Autostau darauf...

Hinter dem Horizont... liegt Karnin.


Wetterkapriolen

Dienstag, 30. April 2019

Eigentlich…



Sind wir schon seit einer Woche unterwegs, aber „uneigentlich“ liegt die KETO gerade einmal ein paar Stunden im Wasser. Das Verblüffende daran ist- keiner von uns ist wirklich böse darüber. Unser ursprünglicher Plan, den Teil 2 der Ostseeumrundung, diesmal in Richtung Osten, am Dienstag nach Ostern zu starten, verzögerte sich wegen einer Erkrankung von Carstens Vater um eine Woche. Aber da ja, wie eigentlich jedes Jahr, immer noch etwas zu organisieren, bauen, reparieren, pflegen, abzuschließen oder vorzubereiten ist, langweilten wir uns beide in dieser Woche überhaupt nicht, sondern genossen und nutzten die gewonnene Zeit. Der Unterschied, in ein Vorhaben wie das unsere relativ stressarm und entspannt starten zu können, anstatt aus dem normalen Arbeitsalltag unter Zeitdruck loshetzen zu müssen, ist deutlich spürbar.




Unsere Pläne haben sich im letzten halben Jahr nicht verändert: Start in der Marina Neuhof in Richtung Osten, die polnische Ostseeküste entlang bis nach Kaliningrad (Russland), weiter in Richtung Norden über Litauen, Lettland, Estland in Richtung St. Petersburg (Russland), um von dort über die finnische Südküste incl. Helsinki auf noch nicht festgelegtem Wege zurück. Diese Entscheidung wird Carsten erst dann alleine treffen, entlässt er mich doch in der finnischen Hauptstadt zum Rückflug nach Dresden- mein Jahr Auszeit endet hier. Ungefähr vier Wochen sind noch für seine Rücktour einzurechnen, Anfang September erwarte ich ihn und Paule zu Hause zurück. Wie 2018 im ersten Teil auch, geht es uns, außer dem Segeln an sich, hauptsächlich um das gemeinsame Entdecken und Erleben von Land und Leuten in für uns neuen Gebieten. Doch während wir im letzten Jahr mit Schweden gewissermaßen „Heimvorteil“ genossen, wird in den nächsten Wochen und Monaten jeder Tag und Ort „Neuland“ sein. Eine spannende Zeit erwartet uns also…
Paule genießt die Umgebung der Marina